Liquidität: 6 Tipps zur Verbesserung der Unternehmensliquidität – Working Capital Management in der Praxis

Fehlende Liquidität ist eine häufige Ursache für Insolvenz und dies kann auch bei profitablen Unternehmen passieren. Um das Risiko zu reduzieren, sollten Sie Ihr Working Capital aktiv managen. Es gibt eine Menge, die Sie hier selbst tun können. Nachfolgend finden Sie 6 kleine – aber effektive – Tipps zur Verbesserung des Working Capitals.

1. Ein gutes Forderungsmanagement verbessert die Liquidität

Erfolgreiche Unternehmen haben oft sehr gute Abläufe und Prozesse zur Rechnungsstellung und Forderungsüberwachung. Es mag offensichtlich sein, aber wenn Sie Umsatz generieren, stellen Sie dies sofort in Rechnung. Warten Sie nicht bis Ende des Monats.

So schaffen Sie die Grundlage für effektive und gute Prozesse zur Überwachung und Steuerung der Forderungen. Machen Sie es zur Routine, Mahnungen frühzeitig zu versenden. Je länger Sie warten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nicht in der Lage sein werden, die überfällige Zahlung einzufordern.

2. Verkürzte Zahlungsziele an Kunden verbessern das Working Capital

Um sicherzustellen, dass Ihr Unternehmen über eine gute Liquidität verfügt, sollten Sie zuerst prüfen, wie viel Kapital in Forderungen gebunden wird.

Eine gute Maßnahme zur Stabilisierung des Cashflows in Ihr Unternehmen besteht darin, zu prüfen, welche Zahlungsbedingungen Sie Ihren Kunden geben. Noch ist es üblich, das Zahlungsziel auf 30 Tage festzulegen – allerdings kann eine Überarbeitung der Zahlungsziele Gold wert sein.

Eine Verkürzung der Zahlungsziele Ihrer Kunden um 5 Tage setzt durchschnittlich Bargeld in Höhe von rd. 1,37% Ihres jährlichen Umsatzes frei. Bei einem fiktiven Umsatz von 2 Mio. Euro p.a. führt ein um fünf Tage verkürztes Zahlungsziel dazu, dass Ihr Barguthaben um etwa 27.000 Euro erhöht wird. Wenn Sie es schaffen würden, die Zahlungsziele um zehn Tage zu kürzen, würde der Effekt sich entsprechend verdoppeln. Die Freigabe von über 50.000 Euro an freier Liquidität für ein Unternehmen, das 2 Mio. Euro umsetzt, würde spürbare Auswirkungen haben. Denken Sie daran, dass lange Zahlungsziele nichts anderes ist als ein kostenloses, zinsloses Darlehen von Ihnen an Ihre Kunden.

Seien Sie sich bewusst, dass die größten Unternehmen einen großen Fokus auf Kapitalbindung legen und ihre große Verhandlungsmacht dazu nutzen, Verträge und Vereinbarungen entsprechend zu verhandeln. Viele kleine Unternehmen tragen daher mit langen Zahlungsbedingungen indirekt zur Finanzierung deren größten und wichtigsten Kunden bei.

3. Gute Beziehungen zu Lieferanten können finanzielle Vorteile bringen

Gehen Sie eine Verhandlung bestmöglicher Vereinbarungen mit Ihren Lieferanten proaktiv an. Günstige Einkaufsbedingungen wie etwa wettbewerbsfähige Preise und flexible oder verlängerte Zahlungsziele schaffen unternehmerische Freiheit. Wie gut Ihre individuell verhandelten Bedingungen ausfallen, hängt oft davon ab, wie das Ruf Ihres Unternehmens ist, die Beständigkeit und Dauer der Geschäftsbeziehung und Ihr Stellenwert bzw. wie wichtig Sie als Kunde sind.

4. Bessere Zahlungsbedingungen von Lieferanten sorgen für bessere Liquidität

Um die Liquidität zu verbessern sollten Sie versuchen, Ihre kreditorischen Zahlungsbedigungen so weit wie möglich zu verlängern. Sind Sie in der Lage, die Zahlung für Ihre Wareneinkäufe um fünf Tage zu verschieben, führt dies – analog zu den debitorischen Zahlungszielen – zu einer Erhöhung des Barguthabens um 1,37% des Einkaufswertes. Angenommen, dass Sie für 1 Mio. Euro einkaufen und Ihre Zahlungsbedingungen um 5 Tage hinauszögern können, führt dies zu einer Erhöhung Ihres Barguthabens um fast 14.000 Euro.

Vergessen Sie nicht, dass es auch auf der Lieferantenseite darum geht, Macht auszuhandeln. Wer die besten Karten hält, gewinnt. Wenn Sie ein großer und dominanter Kunde sind, können Sie die Zahlungsbedingungen in größerem Umfang diktieren.

5. Kontrolle über das Warenlager erhöht die Liquidität

Die Art und Weise, wie das Warenlager verwaltet wird, variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Ein Unternehmen, das frische Produkte wie Lebensmittel verkauft, muss häufig Warenlieferungen erhalten und zu jeder Zeit relativ wenig Vorräte haben. Ein Unternehmen, das über einen längerfristigen Bestand verfügt, wird jedoch höchstwahrscheinlich weniger häufig, aber größere Lieferungen erhalten. Insbesondere Unternehmen, die diese letzte Form haben, binden oft (zu) viel Kapital im Warenlager.

Betrachten wir dies mit einer Erweiterung des obigen Beispiels. Wir gehen weiterhin von 1 Mio. Euro Wareneinsatz p.a. aus, ergänzt um die Annahme, dass der durchschnittliche Wert des Warenlagers 250.000 Euro beträgt. Somit ist die Umschlagsgeschwindigkeit 4,0. Das heißt, im Laufe des Jahres beträgt die durchschnittliche Lagerzeit für die eingekauften Waren drei Monate. Dies entspräche etwa einer Lieferung alle sechs Monate, jeweils von rd. 500.000 Euro. Wenn stattdessen auf Lieferungen alle drei Monate von jeweils 250.000 Euro umgestellt würde, wird der durchschnittliche Lagerwert auf 125.000 Euro reduziert, wodurch 125.000 Euro an Liquidität frei werden. Dies bedeutet umgekehrt, dass die durchschnittliche Lagerzeit für die Waren auf 1,5 Monate sinkt.

Die optimale Situation durch just-in-time Wareneinkauf zur Vermeidung eines Warenlagers, wie man z.B. bei den OEMs in der Automobilbranche häufig sieht. In der Praxis ist dies für Lieferanten bzw. Zulieferer leider kaum praktisch umsetzbar, denn für viele Branchen sind Lagerbestände zur Vermeidung von Produktionsunterbrechungen und zur Bedienung kurzfristiger Bestellungen eine absolute Notwendigkeit.

Für Sie als Unternehmen ist es daher wichtig, individuell zugeschnittene und praxisorientierte Prozesse und Systeme zur Überwachung des Warenlagers zu nutzen. Die erfolgreiche Verwaltung der Vorräte minimiert die Kapitalbindung, ohne dass sich dies negativ auf die Lieferkapazität des Unternehmens auswirkt.

6. Liquiditätsvorschau geben Ihnen einen Überblick

Ein rollierender Liquiditätsvorschau und entsprechende Prognosen sind effektive Management-Tools. Sie sagen etwas darüber aus, wie das Bargeldguthaben in zukünftigen Perioden aussieht. Zu den weiteren Vorteilen eines Liquiditätsvorschaus gehört, dass er Ihnen bei der Beschaffung von Finanzierung für Zeiträume mit weniger verfügbarer Liquidität helfen kann. Ferner sind Sie mit guten Liquiditätsvorschaus in der Lage, genauere Maßnahmen in Bezug auf Ihr Betriebskapital zu planen.

Fazit: Optimierung des Working Capitals

In den obigen Beispielen wird ein Unternehmen mit einem Umsatz von 2 Mio. Euro und 1 Mio. Euro Warenkosten die Liquidität um mehr als 200.000 Euro verbessern können, wenn es gelingt, die Zahlungsziele gegenüber Kunden um zehn Tage zu verkürzen, die Zahlungsbedingungen gegenüber den Lieferanten um zehn Tage zu erhöhen und die durchschnittliche Lagerzeit von drei Monaten auf anderthalb Monate zu reduzieren. Dies könnte entscheidend für das zukünftige Wachstum und die Rentabilität des Unternehmens sein.

Bei einem guten Liquiditätsmanagement geht es nicht nur darum, extreme Situationen wie Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz zu vermeiden. Gute Prozesse, Abläufe und Verfahren können Kapital freimachen und den Bedarf an teurer externer Finanzierung verringern.

Wenn Sie das Working Capital aktiv und gut managen, werden Sie erfolgreicher sein. Höhere Rentabilität und größere Handlungsfreiheit sind die Folgen. Insgesamt wird Ihr Unternehmen durch ein aktives Working Capital Management besser gewappnet sein, Schwankungen in der Wirtschaft zu bewältigen.

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