Wie die Corona-Pandemie die Restrukturierung beeinflusst

2020 stand klar im Zeichen der Corona-Pandemie: beginnend mit der Schreckensnachricht zu Beginn des Jahres gefolgt vom temporären Lockdown der Wirtschaft in den Monaten März und April über die Hoffnung auf einen V-förmigen Konjunkturverlauf im Sommer bis hin zu den aktuell erneut steigenden Fallzahlen. Gemäß dem Herbstgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsinstitute, wird das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Vergleich zu 2019 um 5,4 Prozent einbrechen.

Das im Hinterkopf behaltend, sind die Einschläge in den deutschen Bankbilanzen bis jetzt erstaunlich moderat. Laut Bundesbank habe die Pandemie bis dato kaum zu angestiegenen Wertberichtigungen bei den Geldhäusern geführt. Auch die Anzahl der Firmenpleiten ist überschaubar. Dies kann mit dem entschlossenen Eingreifen der Politik begründet werden, denn momentan helfen staatliche Hilfsmaßnahmen die Pleitewelle aufzuschieben. Neben direkten Hilfen wie Kurzarbeitergeld profitieren Unternehmen mit Liquiditätsproblemen besonders von der pandemiebedingten Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.[1]

Doch wie beeinflusst die Pandemie das aktuelle Finanzierungsklima?

Zahl der Restrukturierungsfälle wird künftig steigen – aktuell dank massiver staatlicher Hilfen noch keine Auswirkungen auf anziehende Restrukturierungsaktivitäten

Die Bundesregierung hat in diesem Jahr eine Sonderregelung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei pandemiebedingter Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eingeführt. Diese Regelung wurde jüngst bis Ende 2020 verlängert, allerdings nur für jene Firmen, die mit Überschuldung zu kämpfen haben. In jedoch 90 Prozent der Insolvenzfälle, ist eine Insolvenz auf Zahlungsunfähigkeit zurückzuführen.

Gleichzeitig scheint sich die angespannte wirtschaftliche Situation in Deutschland nicht baldig zu entspannen. Experten rechnen aktuell mit einer Erholung der wirtschaftlichen Lage erst im Jahr 2022, weswegen in den kommenden Monaten mit einer steigenden Anzahl von Firmenpleiten zu rechnen ist. Laut Bundesbank werden Unternehmensinsolvenzen in den ersten Monaten im Jahr 2021 auf mehr als 6.000 Fälle pro Quartal ansteigen.[1] Diese Einschätzung deckt sich mit der aktuellen Roland Berger Restrukturierungsstudie. Hier rechneten 86 Prozent der Befragten mit einer Zunahme der Restrukturierungsfälle innerhalb des nächsten Jahres. Zu beobachten sei außerdem eine steigende Komplexität der Fälle.[2]

Noch allerdings ist der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Kreditportfolien der Banken gering. Passend dazu, ist der Trend bei der Zahl neuer Restrukturierungsfälle gekippt. Die Anzahl eingehender Restrukturierungsfälle habe sich im Vergleich zum Frühjahr wieder deutlich reduziert, so die Mehrheit der befragten Workout-Banker. „Für das nächste halbe Jahr, könne sich diese Momentaufnahme jedoch wieder umkehren“, so Georgiy Michailov von Struktur Management Partner.

Strategie, Geschäftsmodell und Refinanzierung gewinnt an Bedeutung

TOP 5 Maßnahmen zur Restrukturierung

Grundlegende strategische Veränderungen sowie die Anpassung des Geschäftsmodells zählen nach wie vor zu den wichtigsten Maßnahmen, um in Krise geratenen Unternehmen zu helfen. Zeitgleich gewinnt das Thema externe (Re-)Finanzierung an Bedeutung, denn in einer Vielzahl von Unternehmen liegt die Rückzahlung der im Zuge der Pandemiemaßnahmen gewährten Hilfskredite an[2]. Auch Maßnahmen zur Kostensenkung sowie die Optimierung von Organisation und Prozessen gehören zu den zentralsten Restrukturierungsmaßnahmen. Die Mehrheit der befragten Experten rechnet außerdem mit einem besonders hohen Ausfall an Unternehmenskrediten innerhalb der nächsten sechs Monate.

Finanzierungssorgen auf Allzeithoch

Der Anteil derer, die die Finanzierung der Restrukturierungsfällen als schwierig beurteilen, ist mit 59 Prozent auf ein Allzeithoch gestiegen. Nach Angaben der F.A.Z. sei die Finanzierung von Krisenfällen seit Einführung der Restrukturierungsbarmeters im Jahr 2012 noch nie so schwierig gewesen wie derzeit[1]. Zusätzlich werden, als Folge zunehmender Krisenfälle, neue Kreditengagements aktuell kritischer geprüft als zuvor, so vier von fünf befragten Bankern. Resultierend daraus entstehen insbesondere bei Neukrediten höhere Dokumentations- und Reportinganforderungen, strengere Financial Covenants und höhere Margen.

Fazit: Wie sollten Unternehmen jetzt reagieren?

Der Einbruch der Wirtschaft durch die Coronakrise schlägt sich dank massiver staatlicher Hilfsmaßnahmen noch nicht in den anziehenden Restrukturierungsaktivitäten nieder. Das scheint jedoch lediglich eine Momentaufnahme zu sein, denn es findet mehr eine Problemverschiebung als eine Problemlösung statt.

Besonders jenen Unternehmen, die durch die Corona-Krise in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind, wird das neue präventive Sanierungsverfahren neue Möglichkeiten und Chancen eröffnen. Dennoch sollte es von Unternehmen nicht als „automatische Rettung“ interpretiert werden. Diese neuen präventiven Sanierungsverfahren werden komplex sein und die Wahrung aller teilnehmenden Gläubigerinteressen erfordert ein hohes Maß an Erfahrung und Expertise.

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[1] F.A.Z. BUSINESS MEDIA GmbH (2020): 17 Restrukturierungsbarometer – Insolvenzwelle voraus, Herbst 2020, abgerufen am 23.11.2020

[2] Roland Berger GmbH (2020): Die Pandemie als neue Form der Krise. Wie COVID-19 die Restrukturierung verändert., abgerufen am 23.11.20

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