Die Unternehmensfinanzierung optimal strukturieren

Viele Geschäftsführer und Vorstände kleinerer und mittlerer Unternehmen fokussieren die meisten Ressourcen auf die Umsatz- und Performanceentwicklung des Unternehmens und vernachlässigen dabei mehr oder weniger die Bilanz und ihre Unternehmensfinanzierung.

Wieso ist das problematisch?
In der Praxis sind Bilanz- und Finanzierungsstruktur mit der Liquidität eng verknüpft. Zu oft ist mangelnde Liquidität weniger auf eine grundlegende Unwirtschaftlichkeit des Unternehmens zurückzuführen, sondern vielmehr als das Ergebnis einer unkontrollierten und ungewollten Bilanzentwicklung entstanden. Daher sollten insbesondere Unternehmen im starken Wachstum darauf achten, dass die Bilanzstruktur ausgewogen und für die aktuelle Situation passend ist. Da Zahlungsunfähigkeit – eingetroffene und drohende – die häufigste Ursache für Insolvenzen ist, ist es von großer Bedeutung, dass sich das Mittelstandsmanagement mit der Unternehmensfinanzierung und der damit eingehenden Erwägungen und Entscheidungen stärker auseinandersetzen.

Die klassischen Finanzierungsarten von Unternehmen

  1. Kapitalerhöhung
  2. Selbstfinanzierung (u.a. Gewinnthesaurierung)
  3. Gesellschafterdarlehen und Nachrangdarlehen
  4. Kurzfristiges Fremdkapital
  5. Langfristiges Fremdkapital

Die Finanzierungsmöglichkeiten sind in der Praxis grob in zwei aufzuteilen: Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung. Die Eigenfinanzierungkann durch Gewinnthesaurierung (Gewinne werden entweder vollständig oder zu einem Teil einbehalten) oder durch Kapitalerhöhung durch die Gesellschafter erfolgen.

Finanzierungsformen
Abbildung: eine Auswahl der Finanzierungsformen im Spannungsfeld Innen-/Außenfinanzierung und Eigen-/Fremdfinanzierung

Im Rahmen der Fremdfinanzierung können Bankkredite, Gesellschafterdarlehen sowie Lieferantenkrediten und -darlehen in Betracht kommen. Für die meisten Gesellschaften ist ein Gemisch aus Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung sinnvoll. Die optimale Kapitalstruktur bzw. die optimale Verschuldung hängt als Ergebnis des „Leverage-Effektes“ ganz von den individuellen Gegebenheiten und Wünschen eines jeden Unternehmens ab.

Kriterien für die Wahl der richtigen Zusammensetzung der Unternehmensfinanzierung

Generell gilt bei der Strukturierung der Finanzierung eines Unternehmens, dass die finanziellen Kosten des Unternehmens minimieren möchte. Dies ist sehr wichtig, allerdings sollten jedoch eine Reihe anderer Faktoren berücksichtigt werden:

1. Anforderungen an die Rendite auf das eingesetzte Kapital, mit Blick auf sowohl Gesamtkapital als auch Eigenkapital.
Als Grundregel sollte das Eigenkapital mit ausreichenden Mitteln ausgestattet sein, d.h. das Eigenkapital sollte im Regelfall mindestens die überschaubaren bzw. geplanten Verluste abdecken können. Die notwendige Höhe des Eigenkapitals hängt von vielen Faktoren ab, u.a. von der Art der Gesellschaft, das verfolgte Geschäftsmodell, das individuelle Betriebsrisiko sowie die Beleihungsfähigkeit des Anlagevermögens.

Wer sein eigenes Geld investiert, erwartet auch eine Rendite. Die Eigenkapitalrendite zeigt welche Rendite aus das eingesetzte Eigenkapital erwirtschaftet wird und kann berechnet werden mit der Formel Gewinn/Eigenkapital. In der Praxis wird häufig anstelle des Jahresüberschusses auch das EBIT herangezogen.

Um die Effekte einer Fremdkapitalfinanzierung auf die Eigenkapitalrendite (auch „Leverage Effekt“ genannt) zu berechnen kann folgende Formel genutzt werden:

ROE = ROCE + (ROCE – i) * D/E

Die Formel sagt aus, dass die Rendite des eingesetzten Eigenkapitals (ROE) von der Rendite des eingesetzten Gesamtkapitals (ROCE), dem durchschnittlichen Zinssatz für Fremdkapital (i) sowie vom Verschuldungsgrad (D/E) abhängt. So lange die Gesamtkapitalrendite (auch Investitionsrendite) höher ist als der Fremdkapitalzins wird ein hoher Verschuldungsgrad zu hoher Eigenkapitalrendite führen. Die Grafik zeigt den Leverage-Effekt („Hebel-Effekt“) auf die Eigenkapitalrentabilität.

Leverage-Effekt
Abbildung: Beispiel des Leverage-Effektes auf die Eigenkapitalrendite

Allerding darf nicht vergessen werden, dass mit steigendem Verschuldungsgrad auch das Risiko steigt. Denn sollte die Investitionsrendite fallen und/oder die Fremdkapitalzinsen steigen, sodass das Verhältnis negativ würde, wird die Eigenkapitalrendite nicht nur negativ, sondern auch mit dem gleichen Hebel entsprechend groß.

Die Wahl des Verschuldungsgrades bzw. das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital ist daher von zentraler Bedeutung, was Renditen und Risiko betrifft.

2. Risikobereitschaft festlegen
Höherer Verschuldungsgrad = höheres Risiko einer Überschuldung. Da ein hoher Verschuldungsgrad in der Regel auch das Fremdkapital sowohl teurer als auch weniger zugänglich macht, sollte das Management sich bewusst und kritisch mit dem Verhältnis zwischen Eigenkapital und Verschuldung auseinandersetzen.

3. Die Beziehung zwischen langfristigem und kurzfristigem Fremdkapital
Von großer Bedeutung sind die Laufzeiten des Fremdkapitals. Diese sollten auf die Amortisationszeit und Abschreibungszeitraum des zu finanzierenden Guts bzw. Vorhabens abgestimmt sein. Im Fall, dass ein Wirtschaftsgut mit (linearer) Amortisationszeit von 10 Jahren über 5 Jahre finanziert werden soll, sollte klar sein, dass dies die Liquidität in den ersten 5 Jahren verhältnismäßig überstrapazieren würde. Daher ist wichtig, dass langfristige Investitionsvorhaben mit langfristigem Fremdkapital finanziert werden. Abgesehen von „automatischen“ Verbindlichkeiten wie aus z.B. aus Lieferungen und Leistungen sollte das kurzfristige Fremdkapital nur die Fluktuationen im kurzfristigen Kapitalbedarf abdecken.

4. Ausreichende Kreditreserven bereithalten
Das heißt, dass Kapital dann zur Verfügung stünde, wenn es benötigt wird. Dies kann erreicht werden, indem Kreditreserven z.B. im Vermögenspool behalten werden, sodass diese bei Bedarf in weiteres Fremdkapital umgewandelt werden können. Auch dieser Aspekt sollte bei der Bestimmung der Größe des Eigenkapitals bzw. des Verschuldungsgrades berücksichtigt werden. Denn übermäßig viel abgesichertes Fremdkapital aufzunehmen nur um das Eigenkapital nicht erhöhen zu müssen, kann später zu großen finanziellen Herausforderungen führen.

5. Fremdkapital kann die unternehmerische Handlungsfreiheit einschränken
Kreditgeber können bei nicht-einhaltung von Vertragsklauseln oder Nebenabreden („Financial Covenants“) die Kreditbedingungen an die geänderte Risikosituation anpassen. Von erhöhtem Risikoaufschlag über eine gezwungene Erhöhung des Eigenkapitals bis hin zur Kündigung des Kreditvertrages können die Auswirkungen auf das Unternehmen, die Finanzierungsstruktur und -kosten massiv sein. Daher ist es wichtig, dass die Finanzierungsstruktur eine langfristige Einhaltung der Ziele und Vorgaben ermöglicht. Denn tritt der Ernstfall ein und die Finanzierer die Kredite und deren Bedingungen entsprechend kürzen bzw. schärfen, entwickelt sich daraus schnell eine unüberschaubare Liquiditätssituation.

Die richtige Unternehmensfinanzierung und ihre Struktur sind eng mit einer hohen Praxiserfahrung verknüpft. Die erfahrenen Berater und Experten der PEBCO AG verfügen über umfangreiche Kenntnisse im Finance & Performance Management und unterstützen Sie gerne bei der finanziellen Stabilisierung Ihres Unternehmens.

PEBCO AG precise.consulting

Die PEBCO AG ist eine Unternehmensberatung und ein Consultingdientstleister für Strategie, Märkte, betriebswirtschaftliche Prozesse und Finanzen mit Sitz in Ettlingen (Karlsruhe) in Baden-Württemberg.

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