Schneewittchen vs. Transformer

Die Welt und ihre Werte im Wandel
Warum die richtige Strategie als der wesentliche Erfolgsfaktor im Mittelstand gilt.

Über den Autor

Ralf Jourdan

Ralf Jourdan ist seit mehr als 15 Jahren in relevanten Führungsfunktionen für Großunternehmen und den Mittelstand verantwortlich. Das Resultat: ein Höchstmaß an Erfahrung und ausgeprägtes Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge. Seine Fach- und Führungskompetenz setzt er analytisch und strategisch zur Steuerung und Führung von Managementprozessen ein. So wurde er im Laufe der Jahre zu einem wertvollen Sparringspartner für Unternehmer und Manager.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

seit geraumer Zeit ist es wieder aktueller denn je: „Der Mittelstand fühlt sich von der Digitalisierung bedroht” so eine Studie einer großen deutschen Bank.

Doch ist dem wirklich so und Deutschland verpasst den Anschluss an die Moderne oder sind es nur reißerische Schlagzeilen – Sicher ist eines, die Welt befindet sich in einem deutlichen Umbruch.

Den Vergleich mit der Industrialisierung würde ich in der Tat auch nicht scheuen sondern eher unterstützen. Die heutigen Möglichkeiten der Kommunikation und der weltweiten Vernetzung im Zusammenhang mit der sehr schnell voranschreitenden Informationsgewinnung machen diese Veränderung aus. Auch unterstütze ich die Meinung, dass wir uns auf den Weg machen müssen, diese Themen
a. zu begreifen
b. diese auch im Zusammenhang zu sehen.

Digitalisierung, Globalisierung, Big Data, Industrie 4.0 sind keine alleinstehenden Begrifflichkeiten, diese sind sehr eng verbunden. Das eine wäre ohne das andere schlicht nicht möglich. In Folge dessen müssen wir dies als Unternehmen auch so betrachten und so damit verfahren.

Was möchte ich damit zu Ausdruck bringen: Die Globalisierung, wie wir sie heute verstehen, konnte nur entstehen, da wir via Internet die Möglichkeiten hatten schnell und global zu kommunizieren. Geldmittel waren nicht mehr die Hürde, sondern der Wille bestehende Möglichkeiten zu nutzen. Jeder kann heute überall seine Produkte, Dienstleistungen und Services anbieten. Dies wurde im Laufe der Jahre ergänzt durch quasi unendliche Möglichkeiten, Daten zu speichern und auszuwerten – Speicherplatz ist heute keine knappes Gut mehr.

Folglich wurden Dienstleistungen und Services möglich, völlig unabhängig vom Leistungsort. Wer die Daten am effizientesten verarbeitet und vorausschauend nutzt wird in der Lage sein, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und dem Kunden präzise Angebote zu unterbreiten. Die weiter voranschreitenden Möglichkeiten im „Internet der Dinge“, wird dem Wunsch aller Konsumenten gerecht werden, alles und jeden zu individualisieren und dies zu einem Preis eines Serienproduktes. All dies wird ein Unternehmen nur leisten können wenn es Daten konsequent nutzt, managt, weiterentwickelt und einsetzt. Genau an diesem Punkt wird es aus meiner Sicht interessant, hier tauchen die Fragen auf, die künftige Geschäftsmodelle beeinflussen, ganze Branchen so wie wir sie heute kennen, werden aus den „Angeln gehoben“.

Unterstellen wir einmal, dass derjenige der die Daten hat (besitzt), auswertet, bewertet und diese via Simulationen optimiert künftig die Möglichkeiten hat, Produktionsprozesse, Logistik, Kundennutzen etc. zu steuern: Wer ist dann im „Driverseat“?

Bleibt dann unsere heutige Logik bspw. in der Automobilindustrie in der Verteilung nach Tier 1, 2 etc. bestehen? Oder rücken – nennen wie sie einmal die „Datensammler“ – auf Tier 1?

Werden auf Serien ausgerichtete Produktionsstandorte noch „vollständige/komplette Produkte“ herstellen oder werden die finalen am Endkunden ausgerichteten Produkte, durch den „Datensammler“ definiert und konfiguriert?

Nehmen wir die Konsumgüterindustrie und hier beispielhaft die Möbelindustrie:

Wird der Datenbesitzer künftig Teile einer Küche, eines Schlafzimmers bei Hersteller A und den anderen Teil bei Hersteller B beziehen, da der eine Hersteller hervorragende Leistungswerte besitzt bspw. bei Arbeitsplatten oder Kommoden und der andere bei Unterschränken?

Diese Reihe würde sich beliebig fortsetzen lassen – sie soll nur aufzeigen, dass in der Tat die Frage nach dem Geschäftsmodell gestellt werden wird, allerdings aus meiner Sicht der Dinge zunächst die Daten verteilt werden!

Genau hier müssen wir heute ansetzen und Geschwindigkeit aufnehmen.

Hier glaube ich in der Tat hat der Mittelstand – ich würde sogar noch darüber hinausgehen – Nachholbedarf. Der Nachholbedarf besteht darin, die Daten systematisch aufzunehmen, zu sammeln und in einem zweiten Schritt zu nutzen, um dann das Geschäftsmodell zu erweitern und anzupassen bzw. den Veränderungsprozess aktiv begleiten zu können. Wenn dieser Schritt versäumt wird, sind die Informationen in aller Regel „verloren“ – der Schnellere wird über den Langsamen siegen.

Als (produzierendes) Unternehmen ist es heute unerlässlich sich mit seinem Endkunden auseinander zusetzen. Fragen und aber auch Antworten nach:

Wer hat das Produkt erworben? Weshalb und wie ist die Zufriedenheit? etc. etc.. müssen gestellt und beantwortet werden. Unternehmen müssen Ihre Vertriebswege überdenken – sind mehrstufige Modelle langfristig vor- und darstellbar – wie kann eine zeitgemäße Kundenansprache erfolgen.

Im Grunde gilt es einen gesamten Ausrichtungs- und Strategieprozess zu durchlaufen, um alle Fragen zu stellen, zu prüfen und aus heutige Sicht mit vernünftigem Blick in die Zukunft zu beantworten.

Unsere heutige Zeit wird uns lehren, dass Veränderungen schneller und von größerer Wirkung sind. Folglich müssen Unternehmen näher am Markt und flexibler in der Ausrichtung sein.

Am Ende geht es auch nicht nur um die Technologie, sondern um die Tatsache dass Menschen heute andere Vorstellungen, Gewohnheiten und in Teilen auch Werte haben, sie in einem anderen Umfeld aufwachsen, andere Erwartungen haben und damit auch anders agieren. Alles in allem kein Grund in große Sorge zu geraten, eines darf man nicht vergessen, es ergeben sich ungeahnte Chancen in diesem Zusammenhang, da heute getrennte Businessmodelle zusammenwachsen werden und neue daraus entstehen.

Derartige Veränderungen können wir in Deutschland und gerade auch im Mittelstand erfolgreich managen, davon bin ich überzeugt. Spannend wird es bleiben und die Digitalisierung wird nicht digital von statten gehen. Big Data ist essentiell und wird über Gewinner und Verlierer entscheiden.

Ihr Ralf Jourdan,
Vorstandsvorsitzender der PEBCO AG

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